Wissenswertes über Chyrrta

Die Linten

Der Wind frischt auf. Ein Schwarm Linten surrt um ein paar winzige Blüten, die unter den Böen zittern.

Mit seinen kleinen Beinchen hält sich eines der Insekten an einem der vibrierenden Blütenkelche fest und lässt seinen Rüssel hineingleiten. Der wenige Nektar ist nur allzu schnell aufgesaugt. Nun fegt der Wind kräftig über die Linte hinweg. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als zu verharren, während der Rest des Schwarms auseinandergerissen und in dem verschwimmenden Grün des Waldes verteilt wird. Die Linte spürt, wie der Wind an ihren Flügeln zerrt – sie klammert sich noch fester an die gut verwurzelte Blume.

Neben den Blüten liegt ein Mädchen auf dem Waldboden – es schläft. Sein Mund ist blutverschmiert, an den Fingern kleben Fellreste eines Hasen, den es getötet hat. Der Körper des Kindes ist unbekleidet, die Luftstöße spielen mit seinen langen, verfilzten Haarsträhnen. Als der Wind endlich nachlässt, legt die Linte den kurzen Weg von der Blüte zur Haut des Mädchens zurück. Sie nimmt mit ihrem Rüssel den Schweiß des Kindes auf. Während das Insekt sein Mahl genießt, regt sich das Kind. Es ist vom Kitzeln auf der Haut halb erwacht und tastet nach dem Störenfried – die Linte bohrt in Panik ihren Stachel in die Haut der Angreiferin und fliegt rasch davon, als eine Hand nach ihr schlägt. Sie steigt in den Himmel empor, der nun wieder friedlich ist. Schon summt der Schwarm heran und nimmt die vermisste Linte wieder in ihrer Mitte auf. Die Tiere fliegen davon. Das Mädchen rollt sich enger zusammen – es weint leise im Schlaf.   

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