Wissenswertes über Chyrrta

Quyntyrs Abend

Die Vorhänge in Quyntyrs Räumen sind zugezogen. Manch einer hätte glauben können, der Kampflehrer habe sie geschlossen, nachdem die Sonne untergegangen war.

Doch er hatte sie bereits am Morgen zugezogen, gleich als die Sonne am Himmel aufstieg. Nun, da das helle Tageslicht den Albino nicht mehr quälen kann, zieht er den dicken Stoff zur Seite und betrachtet den Mond. Dessen gedämpftes Licht ist ihm ein Freund – der einzige, den er hier im Palast bislang hatte. All die Tuscheleien und sogar ganz offenen Anfeindungen wegen seines fremdartigen Aussehens, das die Krankheit mit sich bringt – all der Hohn und die angewiderten Blicke, weil sein Körper zudem mit Narben übersät ist, die man ihm als Kind beigebracht hat – haben ihm gezeigt, dass er hier im Palast niemals Vertraute finden würde. Also hat er seine Aufgaben erfüllt und nicht mehr auf eine Änderung zu hoffen gewagt. Doch jetzt ist dieses Mädchen aufgetaucht. Sie ist die, auf die Paraila so lange gewartet hat.

Er selbst hat diesen Tag gefürchtet, denn sie ist das, was er nicht hatte sein können. Und doch kann er ihr gegenüber keinen Groll empfinden – auch wenn er sich redlich Mühe gibt, etwas anderes vorzuspielen – denn sie ist so ganz anders, als er sich eine Privilegierte vorgestellt hat. Vielleicht würde sie irgendwann seinen düsteren Erwartungen noch entsprechen, dann, wenn sie sich ihres Standes erst bewusst geworden war. Doch bis dahin will er dieses freundliche und aufgeschlossene Kind als seine Schülerin akzeptieren – vielleicht sogar als Vertraute. Man wird sehen, wie lange dies möglich ist ...